Über Tiere deren Vorname mit einem Vokal beginnt und die Theorie der halben Brote

Neulich, ich befand mich auf einer wichtigen Journalistenkonferenz zum Thema „Reportagen über Gegenstände, die sich von ähnlich aussehenden Gegenständen nur in dem Faktum (Sache, die Sache) unterscheiden, dass sie in einem luftleeren Raum ihre Farbe ändern können.“
Wie auch immer, dieser Umstand tut eigentlich gar nichts zur Sache, in jedem Fall traf ich mich des Abends noch mit ein paar Kollegen zum geselligen Beisammensein. Und einer von jenen Kollegen erzählte folgende Geschichte:
Pauls Mutter hatte fünf Töchter, und jede davon besaß einen Quastenflosser (ein bestimmter Knochenfisch). Jedoch hatten diese unterschiedlichen Namen, genau wie die Quastenflosser. Einige von ihnen hatten Namen, die in aller Öffentlichkeit zu nennen einem Frevel gleichkommen würde, doch einer hieß Emil, und um genau diesen soll es in folgender Geschichte gehen:
Emil war ein Fisch von der Sorte, die unter Fischen auch besser als „guter Fisch“ bekannt sind, nämlich ein großer Fisch. Er war mindestens doppelt so groß wie ein ausgewachsenes Exemplar eines schon längst ausgestorbenen Tieres, dessen Name mit „M“ beginnt und mit „mut“ aufhört, und damit meine ich (stellvertretend für die Fische) nicht das omnipräsente Mammut.
Anbei möchte ich erwähnen, das ich für die Verwendung von Fachtermini nicht etwa „a Zulag“, wie der Schwoab (Schwabe) sagt, bekomme, sondern dies einzig meine intehlektuele Überlegung widerspiegelt.
In jedem Fall erzählte dieser Kollege noch von einer zweiten, sehr viel interessanteren Begebenheit, die bis in die Zeiten des kalten Krieges zurückreicht.
Wir schreiben das Jahr 1985, sagen aber „Neunzehnhundertfünfundachtzig“. Dies ist doch bemerkenswert, in welchem anderen (kausalen?) Zusammenhang würde man diese Zahl so aussprechen.
Wie auch immer, es geschah um die Jahrhundertwende, als ein bestimmter Lord Brot sehr hungrig wirkte. Seine Frau (im Folgenden nennen wir sie der Einfachheit halber „Die Frau“) bemerkte es sofort und so ging die Frau in die Küche, die man damals, und vor allem in der polaren Region, als „Kochstube“ oder einfach „Herdezimmer“ bezeichnete. Weil es keine Heizung gab, hatte man immer mindestens zwei Herde, damit alles schön warm war. War man von Berufs wegen Schäfer, hatte man sogar drei Herde(n).
Dieser Witz soll den Leser an diesen Artikel fesseln, wie auch die Dame im Westerncomic an die Gleise gefesselt wird, nur um dem Helden eine Chance zu geben sich vor dem ganzen Publikum zu produzieren.
Jedenfalls, so der Kollege, hat diese Frau immer beide Herde angestellt, einen zum warm machen (z.B. von Brot oder sonstigen Kohlenhydratbomben), und die andere, wenn man ihm glauben schenken darf, was ich bezweifle, wie folgende Geschichte beweist:
Einmal fragte ich den Kollegen ob seine Frau denn morgen (von dem Tag aus morgen, ich denke es war im Dezember) mitkäme zum gemeinsamen Essen, und da sagte er ja, ob wohl er nicht verheiratet war.
In jedem Fall, um auch diesen Halbsatz zu Ende zu führen, nutzte die Frau die zweite Herdplatte zum warm machen von Wurst und Käse. Sie steckte also eine Wurst auf die Platte und in den anderen Topf ein großes Brot. Dann, als alles warm und lecker war, fügte sie die beiden Sachen zusammen. Doch, oh Schreck! Zu wenig Wurst für das Brot. Die Frau, ein Klugchen war sie, schnitt das Brot mit dem soeben erworbenen Messer entzwei und belud die eine Seite dick mit Wurst. Zwar fürchtete sie die Kritik des Mannes, doch noch mehr fürchtete sie sich vor Flugzeugen, und die Vorteile überwogen ja auch, also gab sie dem Mann das Brot, und er goutierte es. Und so erfand die einfache Hausfrau aus dem kleinen Dorf das berühmte halbe Brot.
An dieser Stelle endete die Geschichte, die der Kollege erzählte, noch nicht, denn das ganze hatte auch was mit den Fischen von den Töchtern zu tun, genauer gesagt mit Emil, dem Fisch, dessen Name zu sagen scheint: „Ich bin ein Detektiv und werde jetzt gleich einen spannenden Kriminalfall lösen, weil mir jemand die Brieftasche stibitzt hat.“
Also dieser Emil musste nämlich zu seiner Tante, die hatte Krebs, und nur ein halbes Brot (aha, und plötzlich ergibt alles Sinn) konnte ihr helfen. Um das Brot zu kaufen, hatte er viel Geld (2000 Mark) mitgenommen, denn Brot verdarb schnell und musste damals frisch gekauft werden (genau deswegen).
Wie auch immer, langer Rede kurzer Sinn: Im Flieger machten zwei, drei Leute den Enkeltrick mit ihm (sie sagten sie wären seine Enkel und bräuchten 2000 Mark um diese in inflationsstabile Inflationsanleihen anzulegen).
Hätte Emil heute (damals) morgen Tageszeitung gelesen, wüsste er aber dass gerade eine Mega-Deflation herrschte, also das Geld läuft sozusagen rückwärts in die Druckmaschinen. Dann hätte er einfach nur das Geld beobachten müssen, bis es an der Presse angekommen wäre, und hätte sich dort selbst was mitgenommen von dem ganzen Geld, aber so klug war er nicht, denn er war nur ein Fisch.
Ok, ein Knochenfisch, aber eben nur ein Fisch.
In jeden Fall hatte er aufgrund des Diebstahls (der Entwendung (nicht Entwertung) des Geldes) kein Geld mehr, um seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren, geschweige denn um ein Mittel gegen Krebs zu erfinden für die Tante, also schloss er sich mit anderen Fischen zusammen, sie überfielen eine Art „nautische Bank“ und hatten mehr Geld als sie dachten.
In jeden Fall war mir nach dieser Konferenz eine Sache klar: Im luftleeren Raum reicht ein Schwarz-Weiss-Fernseher.